An einem Frühlingstag vor langer, langer Zeit taucht ein geheimnisvolles Himmelsobjekt am Himmel auf. Es ist ein Asteroid, der auf die Erde zusteuert. Die Geschwindigkeit, mit der sich der unerwartete Gast nähert, ist kolossal: 12 km/s – 43.000 Kilometer pro Stunde. Mit einem Durchmesser von bis zu 17 Kilometern handelt es sich um einen kosmischen Felsbrocken, der doppelt so groß ist wie Kopenhagen, und eine Katastrophe, die unsere schlimmsten Albträume noch übertrifft, scheint unvermeidlich.
Ein Frühlingstag in der Hölle
Der Einschlag
Beim plötzlichen Aufprall auf die Erdatmosphäre erhitzt sich der riesige Asteroid extrem stark und verwandelt sich in einen gigantischen Feuerball. Beim Aufprall des Feuerballs wird in einem Bruchteil einer Sekunde Energie freigesetzt, die 100 Milliarden Atombomben entspricht – oder dem gesamten Energieverbrauch der Menschheit in mehr als 1000 Jahren. Der Asteroid schlägt in der Mexikanischen Bucht ein. Beim Aufprall schmelzen die obersten 30 Kilometer der Erdkruste augenblicklich – das entspricht der dreifachen Tiefe der tiefsten Ozeane oder der vierfachen Höhe des Mount Everest. Und wie ein Stein, den man in einen Eimer Wasser wirft, erhebt sich die nun geschmolzene Erdkruste zu einer 15 km hohen Säule aus glühendem, flüssigem Gestein. Die Säule bricht sofort zusammen. Es entsteht ein Krater mit einem Durchmesser von 200 km. Kolossale Mengen an Meerwasser strömen in den Krater hinein und hinab.
Auswurf von Material
Die gewaltige Energieentladung beim Einschlag bewirkt, dass enorme Mengen an zerkleinertem, geschmolzenem und verdampftem Material sowohl vom Einschlagort als auch vom Asteroiden aus dem Krater herausgeschleudert werden. Dieses Material wird sich im Laufe der Tage, Wochen und Monate in der Atmosphäre über den gesamten Globus verteilen.
Niederschlag
Minuten und Stunden nach dem Einschlag kehrt das erste herausgeschleuderte Material als Fallout zurück. Milliarden und noch einmal Milliarden von Mikrotekiten – winzige, glühende Partikel aus geschmolzenem Material vom Einschlagort – regnen wie wunderschöne, aber tödliche Sternschnuppen über den Planeten herab. Die glühend heißen Partikel erhitzen die Atmosphäre, und überall auf der Erde gerät die Vegetation in Brand. Die Welt steht in Flammen, während sich die nun abgekühlten Partikel auf dem Planeten niederlassen. Auch mikroskopisch kleine Partikel, die Material des Asteroiden selbst enthalten, fallen auf die Erde – und diese Mikrokryzitite, die das seltene Element Iridium enthalten, finden wir heute in 66 Millionen Jahre alten Grenzschichten überall auf der Erde. Nicht zuletzt im „Fiskeleret“ an der Stevns-Klippe.
Dunkelheit und Kälte
Die Organismen, die die ersten schrecklichen Sekunden, Minuten, Stunden und Tage überstehen, haben das Schlimmste noch vor sich. Enorme Mengen mikroskopisch kleiner Partikel und Staubkörner aus dem Einschlag schweben in der Atmosphäre und verdunkeln bald den Himmel überall auf dem Globus. Die Dunkelheit wird durch Staub und Rauch der weltweiten Waldbrände verstärkt, die durch den glühenden Niederschlag entfacht wurden. In den ersten Monaten nach dem Einschlag liegt die Erde in völliger Dunkelheit. Kein Licht. Erdrückende Dunkelheit. Das Fehlen von Licht führt zu einem drastischen Temperaturabfall, und es setzt ein weltweiter, eiszeitähnlicher Zustand ein.

Ohne Licht kein Leben
Die Sonne spielt eine entscheidende Rolle für das Leben auf der Erde. Pflanzen und Algen sind für ihre Photosynthese auf die Energie der Sonnenstrahlen angewiesen, und diese grünen, photoautotrophen Organismen bilden die ersten lebenswichtigen Glieder aller Nahrungsketten – zu Wasser und an Land – und sind somit die Voraussetzung für alle Ökosysteme auf der Erde. Ein dramatischer (und unvermeidlicher) Dominoeffekt setzt ein: Pflanzen sterben, Pflanzenfresser sterben, Raubtiere sterben. Nahrungsketten und Nahrungsnetze brechen zusammen. Ökosysteme stürzen ein.
Und um das Ganze noch schlimmer zu machen: Beim Einschlag werden enorme Mengen an Schwefeldioxid aus dem Untergrund freigesetzt. Die stark erhöhte Schwefeldioxidkonzentration in der Atmosphäre führt zu einer weiteren Abkühlung des Planeten – und gleichzeitig zur Bildung von giftigem saurem Regen.
Mehr als die Hälfte aller Arten auf der Erde stirbt als direkte oder indirekte Folge des Asteroideneinschlags aus. Das fünfte Massensterben in der Geschichte des Lebens ist Realität.
Eine neue, warme Welt
Als sich die Atmosphäre endlich wieder aufklart und das Licht zurückkehrt, spielt die Katastrophe einen letzten teuflischen Trumpf aus: Beim Einschlag wurden – neben dem giftigen Schwefeldioxid – große Mengen an Kohlendioxid und Methan in die Atmosphäre freigesetzt. Diese Treibhausgase waren seit Millionen von Jahren sicher im kalkhaltigen Untergrund gebunden, doch durch den Einschlag werden die Gase auf einen Schlag aus dem Gestein freigesetzt. Die Folge der plötzlich stark erhöhten Konzentration an Treibhausgasen ist eine globale Erwärmung, und in den kommenden Hunderten bis Tausenden von Jahren muss das Leben nach besten Kräften versuchen, sich an diese neue, warme Welt anzupassen.





